Der Reichsbürger 16 plus

Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen | Von Annalena und Konstantin Küspert | Im Rahmen des 12. Sächsischen Theatertreffens 2024

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Wilhelm S., bekennender Selbstverwalter, bedankt sich höflich bei der Theaterleitung dafür, dass er die Gelegenheit erhielt, im Theater vor Publikum sprechen zu dürfen. Sein Hauptanliegen besteht darin, die Zuschauer von seiner ureigenen Wahrheit zu überzeugen. Dafür zieht er alle Register – er argumentiert, zitiert, wirbt, schmeichelt, droht …

Annalena und Konstantin Küspert entwickelten und recherchierten erstmals gemeinsam. Als Ergebnis entstand ein viel beachtetes Theaterstück – »Der Reichsbürger« (Uraufführung 2018 am Theater Münster). Das Stück widmet sich nach Aussage des Autorenduos unter anderem der Verbindung rechter Positionen und linker Lebensweise.

Annalena Küspert wiederum findet es besonders interessant, wie widersprüchlich die Positionen der Reichsbürger sind: »Dass zum Beispiel gesagt wird, dass bestimmte Gesetze nicht zu beachten sind, weil es noch Gesetze aus der Nazizeit sind. Und was wir auch ziemlich erstaunlich fanden, ist, dass es auch immer wieder eine große Nähe zu linkspolitischen Tendenzen gibt. Auch in diesem Bestreben, souverän zu sein: der Trend zur Selbstversorgung, dass man aufs Land zieht und unabhängig ist, sich den eigenen Brunnen baut …« Die Autoren wollen mit ihrem Stück auch der Frage nachspüren: Wie viel »Reichsbürger« steckt eigentlich in uns? Sind wir verführbar? Wie weit sind wir davon entfernt, eine gelbe Linie um unser Grundstück zu ziehen?

Regie: Stefan Wolfram
Ausstattung: Katharina Lorenz
Dramaturgie: Eveline Günther

Mit: Marian Bulang in der Titelrolle

DAS SÄCHSISCHE THEATERTREFFEN
Im regelmäßigen Turnus von zwei Jahren treffen sich Theater von Annaberg-Buchholz bis Zittau, von Plauen bis Radebeul zum Sächsischen Theatertreffen. Nach 10 Jahren wird im Mai 2024 wieder Leipzig Veranstaltungsort sein, mit dem TDJW und dem Schauspiel Leipzig als Gastgeber.
Neben elf Stadt-, Staats- und Landestheatern sind auch Produktionen aus der freien Theaterszene mit im Programm.