Theater macht Geschichte. Künstlerische Interventionen für die Zukunft

  Theaterwerkstatt

Antisemitismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit nehmen in Deutschland, Europa und weltweit wieder zu. Besonders in den sozialen Medien und im Internet verbreiten sich Hass, Hetze und Vorurteile. In Fußballstadien in Rom, Dortmund und Leipzig verhöhnen rechte Fans das NS-Opfer Anne Frank und instrumentalisieren es für ihre Zwecke. Populisten greifen auf antidemokratische Geschichtsentwürfe zurück. Welche Rolle kann das Theater vor diesem Hintergrund für die Gestaltung eines kritischen Geschichtsbewusstseins und eine lebendige Erinnerungskultur an das nationalsozialistische Unrecht spielen? Welche demokratischen Prinzipien kann es stärken?


Die Theaterwerkstatt geht der Frage nach, wie sich Gegenwartsbezüge zur Geschichte des Nationalsozialismus auf der Bühne darstellen lassen, insbesondere – aber nicht nur – für Jugendliche. Welche künstlerischen Formen müssen gefunden werden, um die Geschichten der Zeitzeug*innen lebendig zu halten, wenn diese nicht mehr persönlich über ihre Erlebnisse berichten können? Welche Überzeugungskraft besitzen authentische Orte der NS-Verbrechen, wenn sie vom Theater künstlerisch angeeignet werden? Und inwiefern können Theater sich produktive, neue Spielräume erschließen?

 


 

Programm

Freitag 16.02.2018

17.00 Uhr | Großer Saal

Begrüßung durch Dr. Andreas Eberhardt (Vorstandsvorsitzender der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«) und Jürgen Zielinski (Intendant Theater der Jungen Welt)

19.30 Uhr | Großer Saal |
1h 35min

»Juller« 
Nach der Biografie des deutsch-jüdischen Fußball-Nationalspielers Julius Hirsch | Von Jörg Menke-Peitzmeyer | Auftragswerk des Theaters der Jungen Welt | Uraufführung [15 plus]

21.15 Uhr | Großer Saal

Nachgespräch zu »Juller« mit Jürgen Zielinski (Regisseur und Intendant Theater der Jungen Welt), Jörn Kalbitz (Dramaturg Theater der Jungen Welt), Ullrich Kroemer (Journalist und Autor) und Bettina Frank (Theaterpädagogin), Moderation: Birgit Lindermayr (TdJW)

Samstag 17.02.2018

9.30 Uhr | Etage Eins

Workshop I
»Umgang mit Gedenkstätten und authentischen Orten«

Leitung: Annegrit Berghoff (PDF, 1,5 MB) (KZ-Gedenkstätte Moringen)
Input: Stefanie Aehnelt (Heimathafen Neukölln)
Moderation: Birgit Lindermayr

9.30 Uhr | Probebühne LOFFT

Workshop II
»Theater, Twitter und der Holocaust – Klassisches Theater und neue Medien«

Leitung: Ronny Sommer (Peng!Kollektiv), Michael Eickhoff (Schauspiel Dortmund)
Moderation: Winnie Karnofka (TdJW)

9.30 Uhr | Foyer Etage Eins

Workshop III
Best practice »Die Koffer sind gepackt – Die Entwicklung theaterpädagogischer Materialien«
Leitung: Bettina Frank
Moderation: Antje Klahn (TdJW)

9.30 Uhr | Großer Saal

Workshop IV
»Neuverhandlung Holocaust. Verantwortung des Theaters beim Umgang mit Hinterbliebenen, Quellen und Autorenschaft«

Leitung: Jens Raschke (Autor u.a. »Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute«)
Moderation: Jörn Kalbitz

15.00 Uhr | Kleiner Saal |
1h 50min

»Swing Heil« 
Doku Musik Theater | Gastspiel brunner&barscheck

17.00 Uhr | Kleiner Saal

Nachgespräch zu »Swing Heil« mit Peter Tiefenbrunner (Recherche, Regie und Darsteller) und Barbara Scheck (Mitarbeit, Darstellerin)

19.30 Uhr | Großer Saal |
1h 30min

»Darf man das? Holocaust-Darstellungen und der gute Geschmack« 
Öffentliche Podiumsdiskussion
Mit Max Czollek (Lyriker und Kurator »Radikale Jüdische Kulturtage« 2017), Dr. Kirstin Frieden (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin), Regina Gabriel (Theaterpädagogin Gedenkstätte Hadamar), Jürgen Zielinski (Intendant Theater der Jungen Welt)
Moderation: Bastian Wierzioch (mdr)

Sonntag 18.2.2018

10.00 Uhr | Kleiner Saal

Plenum mit Ergebnispräsentation und offener Diskussion
Moderation: Maren Jütz

12.15 Uhr | Kleiner Saal

»Theaterprojekte mit Zeugnissen von Verfolgten des Nationalsozialismus«

Kurzvorstellung der Ausschreibung der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« 

abschließend (fakultativ) |
Start vor dem TdJW, Ende am Hauptbahnhof Leipzig

Stadtführung »Jüdisches Leben in Leipzig – vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart« (Leipzig Erleben GmbH)

 


TdJW_Juller_Tom Schulze_quer7


»Juller«

Einer der Helden der frühen Fußball-jahre in Deutschland war der Karlsruher Vollblutstürmer Julius Hirsch, genannt »Juller«. Populär für seine gebückte Laufhaltung und gefürchtet für seine beidfüßige Schussstärke wurde er zweimal Deutscher Meister, war siebenfacher Nationalspieler und nahm 1912 an den Olympischen Spielen teil. Einst als Innenstürmer im DFB-Trikot verehrt, wurde Hirsch 30 Jahre später von den Nationalsozialisten nach Auschwitz deportiert und im Holocaust ermordet. Die Geschichte von Julius Hirsch ist eine Brücke vom Vergangenen in die Gegenwart und in die Zukunft – aus Geschichte lassen sich Schlüsse ziehen.

In einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen zu geraten scheint, sind es Theaterstücke wie »Juller«, die uns Orientierung und Halt bieten können und uns mahnen für die Zukunft. Claudia Roth (MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags)

 

»Theater ist spielerische Übung in Demokratie!«

Ein inszenierungsbegleitendes Workshopangebot gibt die theaterpädagogische »Aktions-Sporttasche«, mit der Schüler*innen und Lehrer*innen selbst spielerisch aktiv werden. Mittels unterschiedlicher Aufgaben, Requisiten und Dokumenten werden Themenschwer-punkte aus dem historischen Kontext herausgelöst und aktiv, spielerisch Gegenwartsbezüge hergestellt. Angeleitet werden können die Workshops sowohl von Theaterpädagog*innen als auch von Lehrer*innen oder Jugendtrainer*innen vor Ort.



Unter der Schirmherrschaft von Claudia Roth, MdB, Vizepräsidentin des 19. Deutschen Bundestages

Gefördert durch die DFB-Kulturstiftung , die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«  und die Bundesbeauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien 


_DSC3692


»Swing Heil«

Mit einer Mischung aus Live-Musik, Theater, Video- und Toneinspielungen erzählt »SWING heil!..« die Geschichte der »Swing Kids“ und berichtet von Lebensfreude, Widerstand und Unterdrückung einer jugendlichen Subkultur in Nazideutschland.

Die Musik von Benny Goodman, Louis Armstrong oder Teddy Stauffer galt im Dritten Reich als »vernegert«, »jüdisch« und »entartet«. Etliche der Jugendlichen, die mit ihrem Tanzstil, ihrer Kleidung und ihren Frisuren ein Zeichen – vor allem gegen die Hitler-Jugend – setzen wollten, wurden nach einem entsprechenden Erlass in die neu geschaffenen Jugend-KZs in Moringen und Uckermark deportiert.

 

Programmheft zu »Swing Heil« (PDF, 5,3 MB)

 

Trailer »Swing Heil«


Darsteller

Lisa Stroeckens,
Barbara Scheck,
Andreas Braun,
Peter Tiefenbrunner

Musiker

Wolf Giloi – Piano/Akkordeon
Wollie Kaiser – Sax/Klarinette
Stephan Goldbach – Kontrabass
Marius Buck – Drums/Percussion

Text

Peter Tiefenbrunner,
Barbara Scheck (Mitarbeit)

Regie

Peter Tiefenbrunner

Video, Ton

Krischan Kriesten

Swing-Performance

Lindy Hop Saarbrücken


Theaterwerkstatt


»Darf man das? Holocaust-Darstellungen und der gute Geschmack«
Öffentliche Podiumsdiskussion

 

Was bleibt, wenn Hass, Hetze und Vorurteile per Klick Fake News verbreiten? Gibt es Grenzen für die Kunst bei der Darstellung des Holocaust, die nicht überschritten werden dürfen? Was ist richtig? Was ist falsch? Die öffentliche Podiumsdiskussion stellt sich am 17.2.2018 um 19.30 Uhr im TdJW den Fragen nach dem politisch korrekten Erinnern.

Podiumsteilnehmer:

Max Czollek - Lyriker und Kurator »Radikale Jüdische Kulturtage« 2017
Dr. Kirstin Frieden - Literatur- und Kulturwissenschaftlerin
Regina Gabriel - Theaterpädagogin Gedenkstätte Hadamar
Jürgen Zielinski - Intendant Theater der Jungen Welt

 

Moderation: Bastian Wierzioch (MDR)

 

Um Anmeldung wird gebeten unter 0341.486 60 16 oder kontakt@tdjw.de. 

Ihr aktueller Browser kann diese Seite nicht in vollem Umfang korrekt wiedergeben. Wir bitten Sie Ihren Browser, auch aufgrund von sicherheitsrelevanten Aspekten, zu aktualisieren.

Bitte aktivieren sie Javascript um diese Seite in vollem umfang nutzen zu können.