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KURZER ÜBERBLICK ÜBER DIE GESCHICHTE DES THEATERS DER JUNGEN WELT BIS HEUTE

VON MARION FIRLUS, DRAMATURGIN

Die Traditionslinie ist lang – zumindest für ein Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Der Name ist noch immer der von 1946, als die Stadtverwaltung Leipzigs beschloss, ein Theater für Kinder zu eröffnen. Eine kulturpolitische Großtat mitten im noch immer vom Krieg zerstörten Leipzig.

Das Provisorium »Weißer Saal« in der Kongresshalle am Zoo wurde über vier Jahrzehnte Heimat für ein Ensemble von ca. 20 Schauspielern und für Generationen von Leipziger Kindern die erste Begegnung mit dem Theater.

 

Bis der Saal im August 1989 einer Brandstiftung zum Opfer fiel, hatte sich an den technischen Bedingungen nicht allzu viel geändert. Das Kindertheater als Bestandteil des Leipziger Theaterverbunds von Oper, Schauspiel und Musikalischer Komödie hatte unter Generalintendant Kayser seit Jahren nur noch für Menschen bis 14 Jahre gespielt, der Zuschauersaal mit seinen 500 Plätzen und seiner kaum ansteigenden Zuschauerpodesterie verweigerte sich schon lange neuen Theaterkonzepten.

Was also für das Ensemble zunächst eine Katastrophe war, erwies sich im Nachhinein als Chance. Nach 1989 folgte eine über zehn Jahre währende Odyssee durch Kulturhäuser und Schulsäle bis hin zum Theaterzelt auf dem Jahrtausendfeld. Neue Stücke, neue Formen, neue Spielweisen wurden überlebenswichtig. Das Repertoire erweiterte sich hin zum Jugendbereich.

 

1993 beschloss das Stadtparlament den Umbau des ehemaligen Hauses der Volkskunst am Lindenauer Markt zum Theaterhaus. Es sollte die künftige Spielstätte für das Theater der Jungen Welt und die Leipziger Off-Szene werden. Aber erst 2003, nach über zehnjähriger, mehrfach unterbrochener Bauzeit, konnte das Ensemble unter seinem Intendanten Jürgen Zielinski mit der Eröffnung des »Großen Saals« endgültig die neue Spielstätte in Besitz nehmen.

 

Das Theater bekennt sich zu seiner wechselvollen Geschichte als ältestes seiner Art im deutschsprachigen Raum. Auch wenn es in gewisser Weise angekommen ist, zur Ruhe kommen wird es wohl im besten Sinne nicht. Will es auch nicht. Veränderung ist Programm der Theaterleitung und bestimmt die Arbeit des Hauses in allen Bereichen.

Mittlerweile gibt es ein Repertoire von über dreißig Stücken für ein Publikum aller Altersgruppen vom Kleinkind von zwei Jahren bis zum studentischen Publikum und darüber hinaus.

 

Theater der Generationen zu sein, ist das erklärte Ziel. Kommunikation mit dem Publikum ebenfalls. Angeboten wird nicht nur Schauspiel und Musiktheater für Kinder und Jugendliche, eine Sparte Puppentheater und diverse Grenzgänge bis hin zur Tanzperformance für Schauspieler sind signifikant für die im Hause herrschende Neugier auf neue Formate und neue Stücke. Der große Saal mit seiner Maximalkapazität von 240 Zuschauern und seiner mobilen Zuschauerpodesterie, sowie die Etage Eins mit maximal 60 Plätzen, die Kleine Bühne in der Demmeringstraße mit maximal 70 Plätzen und seit einigen Jahren auch ein Theaterbus bieten dafür ideale Möglichkeiten.

 

Das Ensemble – 50 Mitarbeiter, darunter zehn Schauspieler und drei Puppenspieler – ist für das zu meisternde jährliche Veranstaltungsangebot fast zu klein. Ca. 600 Vorstellungen pro Spielzeit, über 50.000 Besucher in der Spielzeit 2010/11 – und eine Vielzahl von Veranstaltungen neben den Aufführungen zeigen, dass das Leipziger Kinder- und Jugendtheater sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe im Kulturleben der Stadt Leipzig und darüber hinaus entwickelt hat. Das belegen nicht nur die zahlreichen Festivaleinladungen der letzten Jahre, sondern auch die Tatsache, dass das Theater der Jungen Welt 2006, 2008 und 2010 die Ausrichtung der renommierten Werkstatt-Tage der Kinder- und Jugendtheater übernahm.

 

»60 Jahre und kein bisschen leise« hieß es anlässlich des Geburtstages im Jahr 2006. So soll es auch sein.

 

 

 

Jürgen Zielinski, Intendant und Regisseur

Gründer der Jugendtheatersparte am LTT Tübingen // Leiter des Jugendtheaters auf Kampnagel // Intendant des Theater der Jungen Welt (seit 2002) // Kurator für Jugendtheater des 9. Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffens »Augenblick mal!« Berlin // Mitglied des Internationalen Theaterinstituts ITI